Elterngespräche in der Schule – unverzichtbar, aber nicht immer einfach

Elterngespräche sind für viele ein kleiner Graus – und zugleich für alle Lehrkräfte unverzichtbar. Schließlich sprechen wir von einer Erziehungs- und Bildungspartnerschaft, die Schule und Eltern gemeinsam tragen. In der Realität fühlt man sich jedoch manchmal von der anderen Seite im Stich gelassen. Und ehrlich gesagt: Manche Eltern erleben das vermutlich genauso.

Trotz der Aufregung mag ich Elterngespräche. Sie geben mir Einblick in das Kind und die Familie dahinter. Ich erfahre, warum Dinge manchmal sind, wie sie sind. Das hilft mir, ein vollständigeres Bild zu bekommen, Grenzen einzuschätzen und herauszufinden, wo wir gemeinsam ansetzen können – manchmal sind es nur Mini-Steps, aber auch die bringen voran.

Gerade wenn ich eine neue Klasse übernommen habe, bereite ich mich intensiv auf Gespräche vor. Und dann merke ich im Gespräch, dass meine geplanten Ziele gar nicht passen. Oft stehen Familien vor Herausforderungen, die ich vorher nicht sehen konnte. Dann ist es notwendig, die eigenen Pläne über Bord zu werfen und Erwartungen anzupassen:
Was ist jetzt realistisch? Welches Minimalziel ist sinnvoll? Wo kann ich die Familie abholen – so, dass es dem Kind guttut und für die Eltern machbar ist?

Wir alle kennen das: Wir haben eine klare Vorstellung, was wir besprechen wollen – und dann treffen wir auf Familien, die durch Schicksalsschläge, Überforderung oder einfach eine andere Sichtweise geprägt sind. Eltern gegen sich aufzubringen, bringt nichts. Aber alles durchgehen zu lassen, hilft ebenso wenig und kann im schlimmsten Fall dem Kindeswohl schaden. Es bleibt ein Balanceakt.

Meine Struktur für gelingende Elterngespräche:

Damit Eltern erst einmal an Bord kommen, strukturiere ich meine Gespräche in der Regel so:

1) Einstiegsfragen

  • Wie geht es Ihrem Kind gerade in der Schule?
  • Wie geht es Ihnen aktuell mit der Schule?

Chancen:

  • Die Eltern fühlen sich wertgeschätzt und gehört.
  • Ich bekomme oft schon hier wichtige Hinweise.


2) Stärken des Kindes hervorheben

  • Positiv aufgefallen ist mir …
  • Toll entwickelt hat sich Ihr Kind in Bezug auf …
  • Richtig gut gefällt mir …

Chance:
Die Eltern merken: Du siehst ihr Kind! Und wir alle sind eher bereit, an Herausforderungen zu arbeiten, wenn vorher Wertschätzung spürbar war.


3) Beobachtungen benennen

  • Sachlich und wertfrei: Ich beobachte in den letzten Wochen …
  • Mir ist aufgefallen, dass …
  • Gefühle oder Befürchtungen erklären: Mir macht das Bauchschmerzen, weil …

Beispiele:

  • Ich befürchte, dass Ihr Kind die Motivation verlieren könnte, weil Erfolgserlebnisse ausbleiben.
  • Ich befürchte, dass Ihr Kind Freundschaften verlieren könnte, weil sein Verhalten andere Kinder gegen sich aufbringt.
  • Ich befürchte, dass Ihr Kind im Unterricht nicht mitkommt, weil die Hausaufgaben fehlen.


4) Reaktionen abwarten und abwägen

Jetzt beginnt der flexible Teil.

  • Wie reagieren die Eltern? Sehen sie es ähnlich? Streiten sie ab?
  • Ist es realistisch, an der ursprünglichen „Forderung“ festzuhalten?
  • Oder braucht es eine Anpassung, damit die Familie nicht überfordert wird?

Wichtig:

  • Erwartungen klar formulieren – ohne Wischi-Waschi.
  • Sich nicht in endlose Diskussionen ziehen lassen.
  • Durch Fragen Lösungen gemeinsam erarbeiten.

Hilfreiche Fragen:

  • Was würde Ihnen helfen, damit die Hausaufgaben zuhause besser klappen?
  • Wann gelingt es Ihrem Kind gut? Wie können wir das öfter ermöglichen?
  • Welche Unterstützung brauchen Sie von uns, damit Ihr Kind …?
  • Welcher kleine Schritt wäre für Sie gut umsetzbar?


5) Zusammenfassen

  • Wir halten also fest, dass … – und ich beginne bewusst mit etwas Positivem.
  • Was wir nun gemeinsam angehen, ist …
  • Auf schulischer Seite tun wir dafür …
  • Sie zuhause übernehmen … (hier die gemeinsam erarbeiteten Punkte nennen)


6) Abschluss

  • Gibt es etwas, das Sie noch auf dem Herzen haben?
  • Gibt es etwas, das Sie mir noch sagen möchten?

Falls Eltern hier wieder bei alten Punkten landen, darf man höflich eingreifen:

„Entschuldigen Sie, dass ich kurz einhake. Dazu haben wir ja bereits eine Lösung gefunden, und ich würde sie gerne so beibehalten. Wir sprechen in ein paar Wochen noch einmal und schauen, wie es sich entwickelt hat.“

Gerade bei schwierigen Fällen lasse ich das Gesprächsprotokoll unterschreiben – als Absicherung, aber auch, weil es dem Gespräch für die Eltern eine zusätzliche Verbindlichkeit gibt. Meine klare Empfehlung für herausfordernde Gespräche!

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