Wenn die Fähigkeiten zu individuell werden – MEIN WEG, um individuelle Lernwege im Mathematikunterricht zu ermöglichen (Teil 2)

Meine Vision war klar: Ich wollte meinen Unterricht so strukturieren, dass die Kinder in ihrem eigenen Tempo die Lernziele – oder besser gesagt Lernchancen, wie man in der Sonderpädagogik formuliert – erreichen können. Sie sollen sich als kompetent erleben, ohne Zeitdruck und mit so vielen kleinschrittigen Hilfen wie nötig, um Erfolgserlebnisse zu haben. Kein Kind soll ausgebremst werden. Und trotzdem möchte ich die Lerngruppe zusammenhalten.

Dabei stellten sich mir folgende Fragen:

  • Wie gestalte ich einen Arbeitsplan, mit dem jedes Kind selbstständig arbeiten kann – übersichtlich, motivierend und klar?
  • Kann ein motivierendes Rahmensetting helfen, damit der Arbeitsplan nicht wie ein „ARBEITSplan“ wirkt?
  • Wie differenziere ich sinnvoll, ohne in einer Materialschlacht zu enden?
  • Welche Aufgaben wähle ich aus, damit sie weitgehend selbsterklärend sind
  • Wie sorge ich für Abwechslung, sodass nicht einfach Arbeitsblatt um Arbeitsblatt abgearbeitet wird?
  • Wo bewege ich mich während der Arbeitsphase? Laufe ich herum, sitze ich an meinem Platz, arbeite ich im Hintergrund?
  • Wie kombiniere ich individuelle Arbeitsphasen mit gemeinsamen Lernmomenten?
  • Wie überprüfe ich am Ende, ob die Inhalte des Arbeitsplans wirklich verstanden wurden?
  • Und: Lasse ich verschiedene Arbeitsorte zu – am Platz, am Fensterbrett, auf dem Boden?

Mein Kopf war voll mit Fragen, Gedanken und Ideen. Also begann ich Schritt für Schritt mit der Planung: ausprobieren, verwerfen, neu denken, umgestalten, wieder streichen … Ein Prozess, der Zeit brauchte – und der sich absolut gelohnt hat.

Mittlerweile habe ich ein System entwickelt, das sich sowohl in den Jahrgangsstufen 3 und 4, in denen ich mehrere Jahre gearbeitet habe, bewährt hat, als auch – und das freut mich besonders – aktuell in meiner ersten eigenen ersten Klasse.

Egal, welche Jahrgangsstufe du unterrichtest: Das Konzept ist umsetzbar und lohnenswert.

 

Ich habe Erfahrungen an Grundschulen und an Förderzentren gesammelt – und kann sagen: Es funktioniert überall, nur mit leicht unterschiedlichen Schwerpunkten.

Da ich in den letzten Wochen intensiv an der Planung und Umsetzung individueller Lernwege für meine Erstklässler gearbeitet habe, stelle ich dir heute mein System speziell für die 1. Klasse vor. Ein Artikel für die Jahrgangsstufen 3/4 wird folgen – Material und Erfahrungen habe ich schließlich reichlich. Was in Klasse 1 und 2 möglich ist, funktioniert übrigens auch in Klasse 3 und 4 – denn gerade die Jüngsten brauchen noch ein paar zusätzliche Überlegungen, um wirklich selbstständig arbeiten zu können.

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